03.04.10 Citynahes Wohnen im Grünen

Makler stellen ihren Berliner Lieblingsort vor. Heute: 150 Jahre Villenkolonie-Geschichte in Lichterfelde-West

Von Steffen Schnoor

Lichterfelde-West gehört zweifelsohne zu den begehrtesten Wohngegenden Berlins. Die um 1860 gegründete Villenkolonie gewinnt durch ihre Nähe zu Potsdam mit seinen Schlössern und Gärten und durch die gute Verkehrsanbindung an die Berliner City. Einfamilienhäuser, Villen, exklusive Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser prägen den homogenen Gartenstadtcharakter. Die Bewohner wissen die hervorragende Infrastruktur und die persönliche Atmosphäre des Kiezes zu schätzen.

Der Einzelhandel ist nur auf wenige Plätze wie die Gegend rund um die S-Bahnhöfe Lichterfelde-West und Botanischer Garten konzentriert: Supermärkte, Feinkostgeschäfte, Boutiquen, Banken, Apotheken und Ärzte sind hier etabliert. Und es gibt Restaurants, Eiscafés und einen Biergarten. Spaziergänge im Botanischen Garten, Freie Universität und Klinikum Benjamin Franklin – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen oder aufhören sollte mit den Highlights der unmittelbaren Umgebung.

Auf dem Wohnimmobilienmarkt sind in den vergangenen Jahren die Verkaufspreise in Lichterfelde-West in vielen Bereichen fast unverändert geblieben, sie sind nachhaltig und wertstabil trotz der Wirtschaftskrise. Das Angebot an hochwertigen Immobilien ist knapp, und seit Sommer 2009 sehen wir hier schon wieder steigende Preise. Gute Ausstattungsqualität ist dabei weiterhin besonders gefragt. Die Leerstandsquote und – für mich als Makler besonders erfreulich – die Vermittlungsdauer für Objekte haben sich in den letzten Jahren deutlich verringert, meist liegen sie unter drei Monaten.

Bei den Preisen für Baugrundstücke hat sich in Lichterfelde-West seit Jahren nicht viel verändert. Die Bodenrichtwerte (bezogen auf Ein- bis Zweifamilienhausgrundstücke) bewegen sich auf stabilem Preisniveau je nach Mikrolage zwischen 300 und 340 Euro/qm. Aber diese Zahlen sind reine Theorie – ein wirkliches Angebot ist wegen der gewachsenen Struktur hier kaum vorhanden.

Bei freistehenden Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften sind jetzt bereits um bis zu fünf Prozent bessere Kaufpreise als vor einem Jahr erzielt worden. Ein Einfamilienhaus mit ca. 150 qm Wohnfläche inklusive ortsüblich großem Grundstück und Garage erhält man im Durchschnitt für 380.000 Euro. Für Doppelhaushälften oder Reihenendhäuser (ca. 125 qm) sollten Sie an Kaufpreise um rund 280.000 Euro denken. Für Reihenmittelhäuser (100 qm) ohne Garage sind es rund 220.000 Euro. Die Liebhaberpreise für Villen ab 200 qm Wohnfläche liegen meist um 600.000 Euro, in Einzelfällen zahlt man bis zu 1.000.000 Euro. Die Entwicklung bei Eigentumswohnungen ist uneinheitlich. Die Nachfrage nach großzügigen, gepflegten Altbauwohnungen ist besonders groß. Hier werden Preise – je nach Ausstattung und Lage – zwischen 1700 und 2100 Euro/qm erzielt. Das sind bis zu 100 Euro mehr, als noch vor einem Jahr erzielt wurden.

Die Verkaufspreise für hochwertige Eigentumswohnungen im Erstbezug liegen um 2600, vereinzelt bei bis zu 3500 Euro/qm – bei steigender Tendenz. Die Preise für Nachkriegsbauten (drei bis vier Zimmer, 70 bis 100 qm) haben sich nach Preisrückgängen von bis zu 100 Euro/qm in den vergangenen Jahren wieder stabilisiert. Die Preisspanne bei mittlerer bis guter Ausstattung befindet sich in den Baujahren 1949 bis 1989 zwischen 1050 und 1300 Euro pro Quadratmeter. Bei Baujahren ab 1990 sind es meist um 1800 Euro, manchmal auch mehr.

Der Mietzins bei Neubauwohnungen im Erstbezug ist wie schon im vergangenen Jahr noch einmal um einen auf nun zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gestiegen. Ebenso ist bei den Altbauten um die Jahrhundertwende ein Anstieg der Mieten um 50 Cent auf 8,50 Euro/qm zu registrieren. Bei Nachkriegsbauten (1949 bis 1989) erhöht sich der Mietzins um den gleichen Betrag und liegt bei Neuabschlüssen meist zwischen 5,50 und 6,50 Euro/qm. Für vermietete Einfamilienhäuser werden Nettokaltmieten um zehn Euro pro Quadratmeter bezahlt. 2010 dürften sich keine erheblichen Veränderungen einstellen – und das hat viel für sich: Beständigkeit und Zuverlässigkeit zeichnen den Lichterfelder Immobilienmarkt schon seit Jahren aus.

Erschienen in der Berliner Morgenpost am 03.04.2010

Zum Artikel auf www.morgenpost.de

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