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06. Jan 2007

Berliner Immobilienmarkt boomt

Ausländische Investoren sorgen für Umsatzsprung: In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wechselten Grundstücke für 6,3 Milliaden Euro den Besitzer / Sorge um steigende Mieten

BERLIN. Der Immobilienmarkt in Berlin hat im Jahr 2006 einen sensationellen Boom erlebt. In den ersten neun Monaten des zurückliegenden Jahres wechselten für insgesamt 6,3 Milliarden Euro Grundstücke den Besitzer. Das geht aus dem jetzt vorgelegten Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt. Gemessen am gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Zuwachs von 114 Prozent. Der größte Teil der Käufe entfällt auf bebaute Grundstücke mit Wohn- und Geschäftshäusern. Vor allem ausländische Investoren - Briten, Iren, Amerikaner, Niederländer, Schweden - kauften verstärkt Wohnungen in der deutschen Hauptstadt.

Besonders begehrt sind dem Bericht zufolge Immobilien im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, jedoch nimmt auch das Interesse an Häusern in den Innenstadtbezirken Pankow, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich zu. Im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten sind die Preise für Immobilien in Berlin sehr niedrig. Viele internationale Investoren setzen deshalb darauf, dass sie durch steigende Mieten den Wert der Häuser erhöhen und im Fall eines späteren Verkaufs satte Gewinne machen können. Angst vor einem Bevölkerungsschwund hat offenbar keiner - im vergangenen Jahr ist die Einwohnerzahl Berlins zum ersten Mal seit Jahren wieder gestiegen und erreicht mit knapp 3,399 Millionen nun wieder den Wert von 1999.

Durch die Nachfrage nach Mietshäusern steigen die Preise kräftig an. "Wohnhäuser, die früher für das 15-Fache der Jahreskaltmiete verkauft wurden, kosten heute das 19- oder 20-Fache", sagt Eugen Schnoor, Vorsitzender des Bewertungsausschusses für Grundstückswerte beim Ring Deutscher Makler (RDM).

Auch die City-West ist eine begehrte Adresse. "Die Gegend um den Kurfürstendamm erlebt durch das Interesse von ausländischen Investoren eine echte Renaissance", berichtet Philipp C. Tabert vom Immobilien-Beratungsunternehmen Winters & Hirsch. "Heute werden viel mehr Objekte gehandelt als noch vor drei bis fünf Jahren." Weil in den sehr guten Lagen nur begrenzt Wohn- und Geschäftshäuser zum Verkauf stehen, greifen ausländische Käufer mehr und mehr auch bei Immobilien in Neukölln oder Wedding zu, sagt Schnoor. So verkaufte die Wohnungsbaugesellschaft Mitte 1 700 Wohnungen in der Neuköllner Dammwegsiedlung an eine Investorengesellschaft, die auf der britischen Kanalinsel Guernsey, einem Steuerparadies, registriert ist. Die Investoren erwerben vor allem gerne Wohnungen in großer Stückzahl. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land verkaufte noch kurz vor Jahresfrist 880 Wohnungen in Hellersdorf an einen holländischen Käufer, zuvor hatte sie bereits 2 600 Wohnungen in der Neuköllner High-Deck-Siedlung an einen britischen Fonds abgegeben.

Der Berliner Mieterverein (BMV) verfolgt die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt mit Sorge. "Durch die steigenden Preise wächst der Druck für die Eigentümer, die Mieten zu erhöhen", sagt BMV-Hauptgeschäftsführer Hartmann Vetter. "Wenn die Mieten nicht weiter heraufgesetzt werden können, ist zu befürchten, dass die Investoren an der Instandhaltung der Wohnungen sparen und die Häuser vernachlässigen." Beides sei von Nachteil für die Mieter.

Nicht nur die Mieten, auch die Preise für Eigentumswohnungen liegen bei sanierten Altbauwohnungen in den östlichen Bezirken teilweise über den Preisen für vergleichbare Wohnungen im Westteil, hat der Ring Deutscher Makler festgestellt. Wer beispielsweise eine Eigentumswohnung in einem bis 1918 errichteten Haus kaufen will, muss dafür in Prenzlauer Berg oder Mitte in guter Lage pro Quadratmeter im Durchschnitt 1 700 Euro zahlen, in den westlichen Bezirken hingegen 1 600 Euro. "Die Leute lieben das Flair der sanierten Altbauten und die Atmosphäre um den Kollwitzplatz oder den Helmholtzplatz", sagt Berlins RDM-Vorsitzender Thomas Wernicke.

Ulrich Paul

© Berliner Zeitung Online

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