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18. Jan 2009

In Berlin gibt es noch keine Immobilienkrise

Der Krise zum Trotz gehen Berliner Makler mit guten Markterwartungen und Ideen für ein eigenes Hauptstadt-Baukonjunkturprogramm ins Jahr 2009. Dies zeigte der Neujahrsempfang des Rings Deutscher Makler Berlin-Brandenburg (RDM), der am gestrigen Sonnabend im Axel-Springer-Verlagshaus stattfand.

Auch die Makler machen sich Gedanken über die Finanzkrise, die zwar mit US-Immobilien anfing, aber doch "keine Immobilienkrise ist", wie IHK-Präsident Eric Schweitzer als Festredner betonte. Das sieht man auch so im RDM, dem ältesten Maklerverband Berlins: "Das Interesse an selbstgenutzten Immobilien und an Anlageobjekten ist weiterhin vorhanden", sagte sein Vorsitzender Thomas Wernicke.

Berliner, die in eigene vier Wände ziehen wollen, gibt es genug, für 2009 prognostiziert Wernicke eine "gute Nachfrage", da die Menschen angesichts der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten "wieder auf sichere Werte wie Immobilien" setzen: "Ein wichtiges Signal sind auch die niedrigen Zinsen."

Der RDM wagt einen preislichen Ausblick: "Ob Neubau oder Gebrauchtimmobilie - in guten Lagen bleiben die Preise stabil." Berlin als Immobilienstandort sieht er langfristig als Gewinner, da das Mietpreis-Niveau immer noch niedrig sei bei gleichzeitig sehr guten Verkehrsverbindungen, großer Kulturvielfalt und viel Entwicklungspotenzial. Um Letzteres gleich auszuschöpfen, ersann der RDM ein "Berliner Baukonjunkturpaket" für mehr Beschäftigte und Umsatz. Um seine Wohneigentumsquote von weit unter 15 Prozent aller Haushalte anzuheben, sollte Berlin für jedes Neubauprojekt die 19-prozentige Mehrwertsteuer gestreckt auf fünf Jahre an die Bauherren zurückzahlen. 10 000 neue Eigenheime pro Jahr würden 1,15 Mrd. Euro Bausumme generieren und damit für 10 000 neue Beschäftigte auf Berliner Baustellen sorgen. Zum Vergleich: 2007 gab es in der Hauptstadt ganze 3718 Wohnungsfertigstellungen (1995: 15 862), und beschäftigt waren am Bau 17 000 Arbeitnehmer (1995: 59 700).

Die Antwort auf diese Idee erhielt Wernicke keine 30 Minuten später von Berlins Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer: Sie verwies auf die Segnungen des Bundeskonjunkturprogramms für Stadt, Kitas und Schulen. Berlin könne sich aber heute keine weiteren Schulden leisten, wie sie die erfolgreiche Förderung des Sozialen Wohnungsbaus einst mit sich brachte. Ein für Bauherren interessanteres Berlin sieht sie vor allem durch Planungen von hoher Gesundheits- und Umweltschutzqualität und durch attraktiver gemachte Kieze. In der Innenstadt gebe es noch einen "Reichtum an Flächen" für individuellen Wohnungsbau; dort würden Bauwillige auch heute schon ihre Immobilienwünsche ohne staatliche Förderung realisieren. Außerdem erwähnte sie die "realistischeren, angemessenen" Immobilienpreise, die es nach dem abflauenden Boom internationaler Interessenten hier jetzt wieder gebe.

Diesen Trend sieht auch der RDM, der gerade seinen Preisspiegel 2009 vorbereitet. Speziell die Preise von Kapitalanlage- und Mietshäusern seien zuletzt zurückgegangen, obwohl so manch kapitalkräftiger Investor im Frühjahr 2008 schon vor der Aktienkrise sein Depot leer geräumt und in Immobilien investiert habe, wie am Rande des Empfangs der RDM-Bewertungsausschussvorsitzende Eugen Schnoor berichtete. Für eigengenutzte Immobilien hingegen gebe es gleich bleibende oder leicht gestiegene Preise und in guten Lagen mehr Nachfrage als Angebot - weil sich viele Hausbesitzer derzeit nicht zum Verkauf entschließen: Denn sie wissen nicht, wie sie den erzielten Verkaufserlös ähnlich sicher und gewinnbringend anlegen sollen.

Wernicke erwartet allerdings für 2009 "längere Vertriebszeiten": Die Käufer prüften länger - und die Banken auch, ehe sie Finanzierungszusagen erteilen.

tr

© Berliner Morgenpost Online

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