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12. Aug 2006

Senioren ziehen in den Speckgürtel

Studie untersucht innerdeutsche Wanderungsbewegungen der älteren Einwohner: Brandenburg führt vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Hoch in den Norden und nah ans Wasser - dies ist das Motto der deutschen Ruheständler, wenn sie noch einmal eine Immobilie kaufen. Doch noch vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist laut "Immobilien-Trendstudie" von Planethome das Bundesland Brandenburg in der Beliebtheitsskala von Ruhestandswanderern ganz vorn. Genauer gesagt, handelt es sich dabei um den "Speckgürtel" in der Umgebung Berlins. Die Redaktion ist diesem überraschenden Trend nachgegangen.

Warum mit Brandenburg nicht "jwd", sondern der Bereich um Berlin herum gemeint ist, gibt die HypoVereinsbank-Tochter auch an: Hier ist die Infrastruktur für Senioren mit Ärzten und Einkaufsangeboten in nächster Nähe gut entwickelt. Und deshalb profitiert von dem vermeintlichen Trend, im Ruhestand die Immobilie zu wechseln, besonders Brandenburg: 2003 zog es 9941 Menschen im Alter von über 65 Jahren nach Brandenburg, 8079 hingegen verließen das Bundesland. Damit lag die Zuwanderung fast ein Viertel höher als die Abwanderung.

Die Großstädte selbst, die doch soviel Kulturangebote, kurze Wege, Infrastruktur von Öffentlichem Nahverkehr bis Supermarkt und Ärztezentrum besitzen, werden von Älteren eher gemieden - wenn die sich noch fit genug für den ferneren Neuanfang fühlen: In Hamburg wanderten 75 Prozent mehr Ältere aus als ein. Damit verlassen die Hansestadt prozentual am meisten Ruheständler, und dies vor allem in den (schleswig-holsteinischen) Speckgürtel. Auf den nächsten hinteren Plätzen folgen Bremen und Berlin.

Berlins Maklerverbände sehen diesen Trend allerdings nicht. Eher bestätigen der Bewertungsprofi vom Ring Deutscher Makler (RDM), Eugen Schnoor, und der Landesvorsitzende des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Dirk Wohltorf, den Trend nach Norden und ans Wasser. Schnoor kennt mehrere Wegzügler, die ins Bundesland zwischen den Meeren gezogen sind. Wohltorf, der nicht nur Immobilien vermittelt, sondern auch Umzüge organisiert, nennt neben solchen Zielen auch einen Hang von älteren Berlinern nach Baden-Württemberg und Bayern - je nachdem, woher der Umziehende stammt.

Einen Trend von Berlin ins Brandenburgische allerdings haben die Hauptstadt-Makler nicht feststellen können. Ausnahmen sind, wenn der pflegebedürftig gewordene Berlin-Opa ins Speckgürtel-Häuschen des Sohnes zieht "oder die ganze Familie gleich zusammen ins neu gebaute brandenburgische Eigenheim umzieht, wo für den Senior an eine Einliegerwohnung gedacht wurde", wie Schnoor meint. Dass aber ein älterer Berliner "einfach so 30 Kilometer nach draußen zieht", glaubt Wohltorf nicht - "dann schon eher an die Müritz oder hinauf an die Ostsee".

Das alles deckt sich nicht mit der Planethome-Studie, die auf Wanderungszahlen von 1995 bis 2003 aus dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung baut. Danach wanderten Rentner in den Großstädten der Flächenstaaten wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen oft innerhalb des Bundeslandes in stadtnahe Regionen aus. Fragt sich nur, ob die erhobenen Wanderungszahlen groß genug sind, das Ganze zu einem Trend zu erklären.

tr

© Berliner Morgenpost Online

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