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18. Dec 2012

Sehnsucht nach Beton-Gold: Immobilienmakler jubilieren

Aus aller Herren Länder fallen Touristen in Berlin ein und weil mehr Besucher hierher kommen, entdecken sie die deutsche Hauptstadt auch als Immobilienkäufer. Parallel investieren viele Bundesbürger derzeit in Beton-Gold. Da müssten doch die Immobilienmakler frohlocken. Stephanie Pieper hat nachgefragt.

"Wenn ich erstmal Makler bin, mit Büro und Illusionen, soll der Geld- und Lustgewinn in meinem Herzen wohnen", singt Konstantin Wecker Mitte der 70er Jahre. Schon damals hatten Immobilienmakler nicht den besten Ruf, anno 2012 dürfte er - zumindest bei Wohnungssuchenden - nicht viel besser sein. Kaum noch eine attraktive Miet- oder Eigentumswohnung auf dem Berliner Markt, die ohne Makler neue Bewohner findet.

Diesen Eindruck bestätigt Steffen Schnoor: "Die Zeiten sind sicherlich so, dass die Arbeit für den Makler, was den Verkauf betrifft leichter geworden sind, weil jetzt einfach mehr Nachfrage auf dem Markt ist und die Vermittlungszeiten insgesamt kürzer geworden sind."

In fünfter Generation residiert Schnoor Immobilien, im Jahr 1900 gegründet, am S-Bahnhof Lichterfelde-West - und inzwischen auch in Kleinmachnow. Die Schuldenkrise, die Inflationssorgen, die niedrigen Zinsen - all das lässt die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern bereits seit 2010 anziehen. Und der Makler kassiert stets mit, die Provision liegt in Berlin in der Regel bei knapp über 7 Prozent des Kaufpreises.

Dennoch vermeidet es Schnoor, euphorisch zu klingen: "Es war ein zufriedenstellendes Jahr für uns, was die Umsätze betrifft."

Der Berliner Immobilienmarkt, so seine Beobachtung, ist aus dem Gleichgewicht geraten: Es gebe viel mehr Kauf-Interessenten als Eigentümer, die ihre Immobilie anbieten. Die Folge: Die Preise steigen und steigen - wie einst nach der Wende. Selbst die Deutsche Bundesbank warnt bereits vor einer drohenden Blase.

Das Jahr sei durchaus schwierig gewesen, sagt der Charlottenburger Makler Markus Gruhn, spezialisiert auf die Vermittlung von ganzen Wohnanlagen und Gewerbe-Immobilien. Millionen-Deals - wie kürzlich bei der TLG Wohnen - wickelten Verkäufer und Käufer aber oft ohne Makler ab. Ein bisschen Jammern gehört scheinbar zum Makler-Handwerk.

Der Immobilien-Boom, klagt Gruhn, habe nämlich auch seine Schattenseite. Es gebe kaum marktgängige Objekte, kaum Verkäufer die bereit seien zu marktüblichen Preisen zu verkaufen.

Denn manche Immobilien-Eigentümer sind jetzt gierig geworden - und wollen Phantasiepreise erzielen. Das Makler-Geschäft beflügeln könnte aber absehbar nicht nur der Umzug der BND-Mitarbeiter nach Berlin, sondern auch der neue Flughafen. Gruhn setzt auf mehr Direktverbindungen, auf mehr reiche Touristen, auf mehr Investoren.

Trotzdem prophezeit er, dass die Zinsen wieder steigen, die Kredite teurer werden und die hohen Preise nicht mehr gezahlt werden können.

Eine Blase könnte dann schnell und schmerzhaft platzen, womöglich vollzieht sich ein Rückgang aber auch über mehrere Jahre. Gruhns Makler-Kollege Steffen Schnoor jedenfalls hofft für sich und seine acht Mitarbeiter, dass auf dem Berliner Immobilienmarkt bald wieder eines einkehrt: langweilige Normalität.


von Stephanie Pieper


zum Beitrag Sehnsucht nach Beton-Gold: Immobilienmakler jubilieren 18.12.2012 05:35 | Inforadio - Nachrichten für Berlin und Brandenburg
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